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Hesse - Handbuch (2012)

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Dieses Kompendium will Einsichten in Hesses Nach- und Weiterwirkungen aufspüren. Dabei werden Aussagen seiner Zeitgenossen zitiert und postume sowie gegenwärtige Beurteilungsperspektiven von Kritikern und Rezensenten herangezogen. Welches Bild zeichnet sich 50 Jahre nach der Wiederkehr seines Todestages ab? Dem historisch nachzugehen und anhand des Schrifttums über ihn und von ihm nachzuzeichnen, ist die Aufgabenstellung dieser Recherche.
Ausgangspunkt und Grundlage für die Recherche bilden die 2007 vom Verfasser erschienene Bibliographie über das Schrifttum von Hermann Hesse mit etwa 21.500 Nachweisen und die im Internet in loser Folge nach Redaktionsschluss ab 2007 zusammengetragenen Nachträge mit über 2.500 weiteren Nachweisen. Sie ermöglichen eine Analyse zur Wirkung seines Werkes. Die durch das Verzeichnis gewonnenen Erkenntnisse dienen durch ihre Komprimierung als Leseempfehlung dem interessierten Leser. Die Vielzahl der ermittelten Literaturquellen bietet einen beeindruckenden Überblick. Die Einbettung dieses Quellenmaterials in das Lebensbild des Schriftstellers, das durch Selbsteinschätzungen des Autors begleitet wird, rundet die facettenreiche und komplexe Wirkungswelt des Schriftstellers ab.
Bei wissenschaftlichen Forschungen und der Suche nach speziellen Details ist allerdings auf die Bibliographie, die an nahezu allen deutschen Universitäten mit Germanistiklehrstühlen und an den Landesbibliotheken vorgehalten wird, zurückzugreifen. Für die Nachträge ist die Homepage des Verfassers zu nutzen.
Zur Vertiefung des Wissens des Lesers über das Schaffen eines Autors gehört die kommunikative Aneignung von geschriebenen Texten, um Zusammenhänge über die Geschichte von Werk und Wirkung zu erfahren.
Einen ersten Ansatz, die Verflechtung der Wechselwirkungen zwischen Werk und Äußerungen Hesses mit Zitaten aus seinen Briefen herzustellen, unternahm 1952 Siegfried Unseld mit einem Brevier aus Anlass von Hesses 75. Geburtstag.
Aus dem Brevier entwickelte sich 21 Jahre später 1973 eine gründliche Revision zur Werkgeschichte, die durch Hesses eigene Aussagen und relevante Stimmen von Rezensenten und Zeitgenossen wesentlich erweitert wurde.
Dem folgte 1986, 13 Jahre später, eine nochmals revidierte und erweiterte Fassung unter dem Titel „Hermann Hesse Werk und Wirkungsgeschichte“. Anknüpfend an die Wiederkehr von Hesses 100. Geburtstag 1977 hatte zuvor der Hesse-Forscher Martin Pfeifer mit seiner internationalen Rezeptionsgeschichte erstmals die weltweite Wirkung Hesses untersucht und dargestellt. Zusammen mit den Folgebänden von 1979 und 1991 wird, über das deutschsprachige Echo hinaus, historisch und kulturpolitisch die weltweite Rezeption dokumentiert.
Nach der ungewöhnlichen Resonanz anlässlich Hesses 125. Geburtstag 2002, dem Erscheinen der 20-bändigen Gesamtausgabe seiner Werke und der Sekundärbibliographie 1899-2007 mit fortlaufenden Nachträgen im Internet, hat sich der Erwartungshorizont für die Erschließung des Schrifttums von und über Hesse für die Leserschaft maßgeblich erweitert.
Selbst nach diesen Voraussetzungen schien es aus der gegenwärtigen Perspektive geboten, Hesses Wirkungen erneut zum Gegenstand einer Bilanzierung der Rezeptionsgeschichte als aktuelle Recherche aufzugreifen, um sein durch Rezensionen, Selbstzeugnissen und Belegen durch Kommentierungen relevantes Schrifttum einem übergreifenden Kontext zuzuführen.

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Werkgeschichte

2.1 … „entweder ein Dichter oder garnichts werden …“

2.2 Tübingen und Basel 1895-1904
2.2.1 Romantische Lieder 1898
2.2.2 Eine Stunde hinter Mitternacht 1899
2.2.3 Hermann Lauscher 1900
2.2.4 Gedichte 1902
Exkurs: Briefwechsel Hans Bethge / Alexander von Bernus
2.2.5 Peter Camenzind 1904
2.2.6 Boccaccio / Franz von Assisi 1904

2.3 Gaienhofen 1904-1912
2.3.1 Unterm Rad 1905
2.3.2 Erzählbände: Diesseits 1907, Nachbarn 1908, Umwege 1912
2.3.3 Umzug innerhalb von Gaienhofen
2.3.4 Gertrud 1910
2.3.5 Unterwegs 1911
2.3.6 Indienreise und Ortswechsel

2.4
Bern 1912-1919
2.4.1 Aus Indien 1913
2.4.2 Roßhalde 1914
2.4.3 Musik des Einsamen 1915
2.4.4 Knulp 1915
2.4.5 Am Weg 1915
2.4.6 Schön ist die Jugend 1916
2.4.7 Zarathustras Wiederkehr 1917

2.5 Montagnola Casa Camuzzi 1919-1931 2.5.1 Demian 1919 80
2.5.2 Kleiner Garten 1919
2.5.3 Märchen 1919
2.5.4 Klingsors letzter Sommer 1920
Exkurs: Briefwechsel mit Anny Bodmer (1919-1930)
2.5.5 Blick ins Chaos 1920
2.5.6 Wanderung 1920 1
2.5.7 Gedichte des Malers 1920
2.5.8 Im Presselschen Gartenhaus 1920
2.5.9 Ausgewählte Gedichte 1921
2.5.10 Siddhartha 1922
2.5.11 Piktors Verwandlungen 1922
2.5.12 Sinclairs Notizbuch 1923
2.5.13 Kurgast 1925
2.5.14 Bilderbuch 1926
2.5.15 Der Steppenwolf 1927
2.5.16 Die Nürnberger Reise 1927
2.5.17 Krisis 1928 1
2.5.18 Betrachtungen 1928
2.5.19 Trost der Nacht 1929 1
2.5.20 Eine Bibliothek der Weltliteratur 1929
2.5.21 Zum Gedächtnis unseres Vaters 1930
2.5.22 Diesseits 1930
2.5.23 Narziß und Goldmund 1930
Exkurs: Briefwechsel mit Joseph Englert

2.6 Montagnola Casa Rossa 1931-1962
2.6.1 Weg nach Innen 1931
2.6.2 Die Morgenlandfahrt 1932
2.6.3 Kleine Welt 1933
2.6.4 Vom Baum des Lebens 1934
2.6.5 Fabulierbuch 1935
2.6.6 Stunden im Garten 1936
2.6.7 Neue Gedichte 1937
2.6.8 Gedenkblätter 1937
2.6.9 Das Glasperlenspiel 1943
2.6.10 Berthold 1945
2.6.11 Traumfährte 1945
2.6.12 Dank an Goethe 1946
2.6.13 Der Europäer 1946
2.6.14 Krieg und Frieden 1946
2.6.15 Frühe Prosa 1948
2.6.16 Gerbersau 1949 1
2.6.17 Späte Prosa 1951
2.6.18 Gesammelte Dichtungen in sechs Bänden 1952
2.6.19 Zwei Idyllen 1952
2.6.20 Beschwörungen 1952
2.6.21 Gesammelte Schriften in sieben Bänden 1957
2.6.22 Stufen 1961

2.7 Posthume Publikationen
2.7.1 Die späten Gedichte 1963
2.7.2 Prosa aus dem Nachlass 1965
2.7.3 Neue deutsche Bücher 1965
2.7.4 Kindheit und Jugend vor Neunzehnhundert I (1966)
2.7.5 Politische Betrachtungen (1970)
2.7.6 Gesammelte Werke in zwölf Bänden (1970)
2.7.7 Schriften zur Literatur (1971)
2.7.8 Lektüre für Minuten (1971)
2.7.9 Mein Glaube (1971)
2.7.10 Eigensinn (1972)
2.7.11 Die Erzählungen (1973)
2.7.12 Die Kunst des Müßigganges (1973)
2.7.13 Glück (1973)
2.7.14 Legenden (1975)
2.7.15 Musik (1976)
2.7.16 Kleine Freuden (1977)
2.7.17 Die Welt der Bücher (1977)
2.7.18 Politik des Gewissen (1977)
2.7.19 Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag in acht Bänden (1977)
2.7.20 Gesammelte Erzählungen in vier Bänden (1977)
2.7.21 Der verbannte Ehemann (1977)
2.7.22 Bodensee (1977) 227
2.7.23 Kindheit und Jugend vor Neunzehnhundert II (1978)
2.7.24 Aus Indien (1980)
2.7.25 Italien (1983)
2.7.26 Bäume (1984)
2.7.27 Hesse-Lesebücher (1986)
2.7.28 Die Welt im Buch (1988-2005)
2.7.29 Tessin (1990)
2.7.30 Beschreibung einer Landschaft (1990)
2.7.31 Sämtliche Werke in zwanzig Bänden (2001-2007)
2.7.32 Blick nach dem Fernen Osten (2002) 2
2.7.33 Gedanken aus seinen Werken und Briefen (2008)
2.7.34 Die vier Jahreszeiten (2010)
2.7.35 Unkommentierte Erstausgaben dieser Periode

3. Briefwechsel

3.1 Sammelausgaben
3.1.1 Briefe 1951
3.1.2 Briefe 1959, erweitert
3.1.3 Briefe 1964, nochmals erweiterte Sonderausgabe
3.1.4 Gesammelte Briefe in vier Bänden

3.2 Geschlossene Korrespondenzen
3.2.1 Romain Rolland
3.2.2 Thomas Mann
3.2.3 Peter Suhrkamp
3.2.4 Helene Voigt-Diederichs
3.2.5 Karl Kerényi
3.2.6 Christian Wagner
3.2.7 R. J. Humm
3.2.8 Heinrich Wiegand
3.2.9 Hans Morgenthaler
3.2.10 Hans Sturzenegger
3.2.11 Ninon Hesse
3.2.12 Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings
3.2.13 Ruth Wenger
3.2.14 Josef Bernhard Lang
3.2.15 Wilhelm Kunze
3.2.16 Stefan Zweig
3.2.17 Günter Machemehl
3.2.18 Alfred Kubin
3.2.19 Peter Weiss
3.2.20 Jakob Schaffner
3.2.21 Thomas Valentin
3.2.22 Conrad Haußmann
3.2.23 Hermann Hubacher
3.2.24 Hans Purrmann

t4. Sekundärschrifttum

4.1 Forschung
4.1.1 Bibliographien und bibliographische Beiträge
4.1.2 Archive
4.1.3 Museen
4.1.4 Sammler und Sammlungen
4.1.5 Kolloquien, Symposien, Tagungen
4.1.6 Hesse-Gesellschaften
4.1.7 Hermann Hesse-Stiftung Bern

4.2 Lebensgeschichtliches
4.2.1 Chronographie der Ereignisse
4.2.2 Biographien
4.2.3 Darstellungen
4.2.4 Würdigungen
4.2.5 Geburtstage
4.2.6 Nachrufe
4.2.7 Ehrungen
4.2.8 Künstlerische Reaktionen und Memorabilien
4.2.9 Abgeleitete Ehrungen

4.3 Beziehungsverhältnisse
4.3.1 Bindungen zu Menschen
4.3.1.1 Familie
4.3.1.2 Personen
4.3.2 Bindungen zu Lebensräumen
4.3.2.1 Orte und Stätten
4.3.2.2 Kurorte
4.3.2.3 Regionen und Länder

4.4 Thematische Sachverhalte
4.4.1 Ästhetik und Bildende Kunst
4.4.2 Dichtkunst, Sprache, Literatur
4.4.3 Künstlertum
4.4.4 Malerei
4.4.5 Musik
4.4.6 Natur
4.4.7 Pädagogik
4.4.8 Philosophie
4.4.9 Religion
4.4.10 Psychologie
4.4.11 Politik und Geschichte
4.4.12 Begriffe außerhalb der vorausgegangenen Abschnitte

4.5 Komparatistik
4.5.1 Vergleiche mit anderen Autoren
4.5.2 Vergleiche mit Werken anderer Autoren
4.5.3 Nachbemerkungen zu den vorangegangenen Abschnitten

4.6 Rezeptionsverläufe
4.6.1 Weltübergreifende internationale Wirkung
4.6.2 Wirkungsgeschichtliches
4.6.3 Mediale Vermittlungsformen und -träger
4.6.3.1 Auditive Medien
4.6.3.1.1 Radio - Rundfunksendungen
4.6.3.1.2 Schallplatte und CD (Compact Disc)
4.6.3.2 Audiovisuelle Medien
4.6.3.2.1 Werkverfilmungen
4.6.3.2.2 Filme über Hesse
4.6.3.2.3 TV - Fernsehproduktionen
4.6.3.2.4 Videokassette und DVD (Digital Versatile Disc)
4.6.4 Internet
4.6.5 Aktivitäten reproduzierender Rezeption
4.6.5.1 Bearbeitung von Werken für die Bühne
4.6.5.2 Literarisch-musikalische Bühnenbearbeitungen
4.6.5.3 Umsetzungen von Texten in Musikaufführungen
4.6.6 Veranstaltungen
4.6.7 Ausstellungen
4.6.8 Hesses eigene Lesungen

5. „Die Welt der Bücher“

5.1 Herausgebertätigkeit
5.2 Rezensententätigkeit
Exkurs: Briefwechsel mit Erwin Ackerknecht / Otto Basler
5.3 Umgang mit Verlegern und Verlagen
6. Relevanzen der Rezeption

6.1 Wirkung aus der Sicht von Verlagsvertretern
6.2 Aspekte in der gegenwärtigen Literaturwissenschaft
6.3 Selbsteinschätzungen von Hesse
6.4 Zusammenfassung
6.5 Nachbemerkungen

7. Anhang
7.1 Siglen, Abkürzungen
7.2 Personenregister
7.3 Werk- und Buchtitelregister

Rezensionen

5. Neue Rezension zu Jürgen Below: Hermann Hesse-Handbuch, Frankfurt u.a.: Peter Lang. 2012, 574 S.
Osman Durrani. In: Modern Language Review, London, October 2013, Vol. 108, Part 4, S. 1317-1319.

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4. Helga Esselborn-Krumbiegel: Germanistik. Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Nachweisen
Edition Niemeyer. Bd. 53, 2012, H1-2, S. 228, Nr. 1064
Berlin: de Gruyter
rezbelow.tif [590 KB]

3. Stefan Höppner: Rezensionforum <literaturkritik.de> (aufg. 15.12.2012)

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=17395
Schlag nach bei Hesse
Jürgen Belows großes Kompendium zu Leben und Werk des
Autors
Von Stefan Höppner
Besprochene Bücher / Literaturhinweise
Das große Hesse-Jubiläum ist gefeiert, die Karawane der Laudatoren zieht weiter. Zum
50. Todestag des Dichters, der auch auf literaturkritik.de begangen wurde, gab es einen
ganzen Schwung neuer Biografien, die sein Leben im Detail sehr viel genauer
rekonstruierten als frühere Publikationen. Die ARD feierte den Jubilar mit der Verfilmung
seiner Erzählung „Die Heimkehr“. Und selbst der „Spiegel“, der Hesse einst als
„Gartenzwerg unter den deutschen Nobelpreisträgern“ beschimpft hatte, setzte ihn als
„Der Störenfried“ auf das Titelbild – inklusive Stinkefinger.
Eine andere Frage ist, ob das Jubiläum auch der Literaturwissenschaft neue Impulse
gebracht hat. Die Grundlagen wären da – seit Anfang des Jahrtausends hat sich die
Quellenlage enorm verbessert. Neben der bisher umfangreichsten Werkausgabe in 20
Bänden, die Volker Michels betreut hat, liegt eine Vielzahl zuvor unerschlossener
Briefwechsel vor, unter anderem mit engen Freunden und Weggefährten wie Hugo und
Emmy Ball, der zweiten Ehefrau Ruth Wenger oder seinem Psychiater Josef Bernhard
Lang. Zu den Pionier- oder besser Stachanow-Arbeiten auf diesem Gebieten zählt auch
Jürgen Belows große fünfbändige Bibliografie von 2007, die 21.500 Titel der Primär- und
Sekundärliteratur auflistet, und fortlaufend online ergänzt wird. Damit verfügt die
Forschung über eine so reiche Arbeitsgrundlage, wie sie noch nie zuvor bestanden hat.
Der ungewöhnliche Reichtum von Belows Bibliografie ist aber auch ihr Manko. Es fehlte
bisher an der Erschließung, der Einführung in den Datenwust. Mit seinem Hermann-
Hesse-Handbuch schließt Below nun die Lücke, die er durch seine Akribie und seinen
Arbeitseifer selbst mitgeschaffen hat. Zum einen leistet er tatsächlich die Erschließung
seines eigenen Kompendiums. Zum anderen baut er auf den früheren Arbeiten von
Hesses letztem Verleger Siegfried Unseld auf, der seit 1952 und zuletzt 1986 mit
„Hermann Hesse: Werk- und Wirkungsgeschichte“ ähnliche, aber vergleichsweise
dürftigere Einführungen vorgelegt hatte.
Wie Below, derzeit der wohl beste Kenner des Hesse-Schrifttums, dabei vorgeht,
erinnert an Unselds Vorgehensweise. Anders als in vielen anderen gängigen
Handbüchern gibt es keine längeren zusammenhängenden Artikel zu einschlägigen
Themen, sondern vor allem das, was der Untertitel des Handbuchs verspricht: nämlich
„Quellentexte“. Below lässt vor allem Zitate sprechen: aus Hesses Notizen zu den
Texten, aus Briefen, Klappentexten, Rezensionen, literaturwissenschaftlichen Aufsätzen.
Dahinter steht der ehrenwerte Impuls, ein möglichst objektives und trotzdem
facettenreiches Bild der einzelnen Texte zu liefern. Dank Belows Akribie, die auch
unbekanntere Quellen einbezieht, findet man besonders in den Einzelporträts von
Hesses Texten Nuancen, auf die man so noch nicht aufmerksam geworden ist.
Ein gutes Drittel des Bandes bietet einen Durchgang durch Leben und Werk. Hier sind
nicht nur die „großen“ Texte aufgelistet, sondern auch kleinere Buchveröffentlichungen,
die in dieser Form oft nie wieder aufgelegt worden sind. Besonders zu loben ist, dass
Below auch die posthumen Veröffentlichungen aufnimmt. So bekommt man Einblicke in
die Hesse-Rezeption des letzten Halbjahrhunderts, die man nirgendwo anders so
konzentriert finden kann. Auch eine Auswahl an Forschungsliteratur ist gleich an dieser
Stelle mitgegeben. Nach einem Überblick über die bisher publizierten Briefsammlungen
und Briefwechsel widmet sich Below auf beinahe 300 Seiten der, thematisch geordneten,
Sekundärliteratur.
Das alles macht das Handbuch unverzichtbar für den angehenden oder fortgeschrittenen
Hesse-Forscher. Aber Vorsicht: Das Buch ersetzt weder die eigene Lektüre der
Originale, wie Below gleich in der Einführung warnt, noch ist es ein handlicher Digest der
einzelnen Texte oder gar zu Hesses Biografie. Die prominente Rolle der Quellen, das
Bemühen um Neutralität haben auch eine problematische Seite. So interessant die Zitate
sind, so unvermittelt stehen sie im Eintrag oft nebeneinander. Das Ergebnis ist eher ein
Mosaik als ein geschlossenes Bild. Die wechselnden Schriftgrößen und besonders der
kleine Font machen das Handbuch nicht gerade lektürefreundlich. Zudem setzt die
detailreiche, in kleine und kleinste Abteilungen gegliederte Darstellung bereits gewisse
Vorkenntnisse von Hesses Leben und Werk voraus. Die Auswahl der Briefstellen, der
Rezensionen und Forschungsarbeiten ist natürlich subjektiv. Man kann darüber streiten,
ob die in jedem einzelnen Fall gelungen ist. Bei der Datenmenge, auf die Below
zurückgreifen konnte, ist der Akt der Selektion aber unvermeidbar. Eine Einführung für
ein allgemeines Lesepublikum, das Hesse genauer kennen lernen will, sieht jedenfalls
anders aus. Diese Leser sind mit den neuen Biografien, ja selbst mit Unselds Arbeiten
besser bedient. Wo jedoch zu Hesse geforscht wird, wo Studierende ihre Referate zu
„Siddhartha“ und Lehrer ihre Unterrichtseinheiten zum „Steppenwolf“ vorbereiten, da ist
diese Materialsammlung unschlagbar. Sie sollte in keiner Universitäts- oder
Seminarbibliothek fehlen.

2. Arno Widmann: Frankfurter Rundschau vom 27.9.2012

http://www.fr-online.de/literatur/nach-der-buecherjagd-vom-nachttisch-geraeumt,1472266,19134744.html

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FRANKFURTER RUNDSCHAU» KULTUR» LITERATUR
27. SEPTEMBER 2012
NACH DER BÜCHERJAGD Vom Nachttisch geräumt
Von ARNO WIDMANN

Arno Widmann. Foto: Mely Kiyak

Es folgen keine Rezensionen, nicht einmal Kurzrezensionen. Es handelt sich – sehr altertümlich gesagt – um Lesefrüchte. Manchmal sind es auch einfach nur Einfälle. Also Gedanken, Formulierungen, die mir bei der Lektüre auffielen, die ich weitergeben möchte. Die Bücher werden also nicht vorgestellt und analysiert, sondern ausgebeutet.

Nach einer Jagd werden die erlegten Tiere neben einander auf den Boden gelegt. Man hat so noch einmal Gelegenheit, einen Blick auf alles zu werfen, bevor die Köche die Beute verwerten. Jeden Monat neu wird vom Nachttisch geräumt.

Wahrheit nicht doziert

Nochmal Hermann Hesse. Am 9. August vor 50 Jahren starb er. Vergangenen Monat gab es also schon sehr viel über ihn zu lesen. Mir ist das Hermann Hesse-Handbuch aber erst jetzt zwischen die Finger gekommen. Es ist ein Führer durch Biographie, Werk und die Sekundärliteratur. Wer also zum Beispiel das Kapitel „Steppenwolf“ aufschlägt, wird knapp über die damaligen Lebensumstände Hermann Hesses informiert, kann an Hand von Briefauszügen sich selbst ein Bild machen und dann zeitgenössische und neuere Kritiken lesen. Am Ende folgt eine Liste wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Steppenwolf. So geht es durch das gesamte Werk. Zum Beispiel findet sich im Kapitel „Glasperlenspiel“ auch ein Auszug aus der Rezension der Tübinger Studentischen Blätter vom Dezember 1948. Darin heißt es: „Dieses Streben zur Vervollkommnung und das Wissen, dass die Wahrheit nicht doziert, sondern gelebt wird, ist Knechts und Hesses Ziel und sollte auch das unsere sein.“ So schrieb Siegfried Unseld.

Jürgen Below: Hermann Hesse-Handbuch – Quellentexte zu Leben, Werk und Wirkung, Peter Lang, Frankfurt am Main 2012, 574 Seiten, 78 Euro.



1. B KULTURWISSENSCHAFTEN
BD LITERATUR UND LITERATURWISSENSCHAFT
BDBA Deutsche Literatur
Personale Informationsmittel
Hermann HESSE
Rezeption
QUELLEN
12-2 Hermann-Hesse-Handbuch
: Quellentexte zu Leben, Werk
und Wirkung / Jürgen Below. - Frankfurt am Main [u.a.] : Lang,
2012. - 574 S. ; 24 cm. - ISBN 978-3-631-63186-7 : EUR 78.00
[#2575]
Pünktlich zum 50. Todesjahr des Dichters erscheint Jürgen Belows Hermann-
Hesse-Handbuch
, das dank seines sehr umfassend kompilierten
Materials ein zuverlässiges Nachschlagewerk über die Rezeption von Leben
und Werk des Dichters bietet. Seinen Ansatz erklärt Below wie folgt:
„Dieses Kompendium will Einsichten in Hesses Nach- und Weiterwirkungen aufspüren.
Dabei werden Aussagen seiner Zeitgenossen zitiert und postume sowie
gegenwärtige Beurteilungsperspektiven von Kritikern und Rezensenten herangezogen.
Welches Bild zeichnet sich 50 Jahre nach der Wiederkehr seines Todestages
ab? Dem historisch nachzugehen und anhand des Schrifttums über ihn
und von ihm nachzuzeichnen, ist die Aufgabenstellung dieser Recherche“ (S.
11). „Das Handbuch, in dieser Form, soll dem Leser Zugänge zu der breiten Palette
von Aussagen von und über den Dichter und Schriftsteller Hesse erleichtern
und als Leitfaden Lotsenhilfe bieten und auch in seiner Leuchtturmfunktion Signale
markieren. Es geht nicht um die Nicht [sic!] Vermittlung von Gebrauchsanleitungen,
sondern um Öffnung des breiten Feldes der vielfältigsten Resonanzen,
der Reproduktionen und des Aspirierens, die der Dichter Zeit seines Lebens
und mithilfe seiner postumen Nachwirkungen auslöste“ (S. 551).
Die Grundlage des Handbuchs bilden Belows mächtige fünfbändige Hermann-
Hesse-Bibliographie
von 20071 sowie die nach dem Berichtsende
der gedruckten Bibliographie erschienenen, auf der Homepage von Below2
mitgeteilten Titel. Das vorliegende Handbuch ist die Krönung der langen
und entschlossenen Recherche eines Hesse-Philologen. Das Buch ist in
1 Hermann-Hesse-Bibliographie : Sekundärliteratur 1899 - 2007 / Jürgen Below.
- Berlin [u.a.] : de Gruyter, 2007. - Bd. 1 - 5. - XXXVI, 4032 S. - ISBN 978-3-11-
018559-1 : EUR 498.00, EUR 398.00 (Subskr.-Pr. bis 31.05.2008) [9508]. - Rez.:
IFB 07-2-391 http://swbplus.bsz-bw.de/bsz120924153rez.htm
2 http://www.hermann-hessesekundaerschrifttum.
de/019f5f9f460a16205/index.html [12-05-29].
fünf sehr ungleich umfangreiche Teile gegliedert: Werkgeschichte (S. 15 -
250), Briefwechsel (S. 251 - 297), Sekundärschrifttum (S. 299 - 495),
„Die
Welt der Bücher“
(S. 497 - 522) und Relevanzen der Rezeption (S. 523 -
551). Knapp die Hälfte des Handbuchs widmet Below der Werkgeschichte
Hesses. Sämtliche Romane und die wichtigsten Erzählungen sind berücksichtigt,
wobei Below die Entstehungsgeschichte jedes Werkes knapp aber
instruktiv chronologisch beleuchtet, Selbstaussagen Hesses anführt und die
Rezeption anhand zeitgenössischer und späterer Rezensionen behandelt.
Bezüglich Hesses sehr umfangreichen Briefwechsel (etwa 35.000 Briefe
sind überliefert) kann Below sogar neues Material - bisher unveröffentlichte
Briefe, die im Deutschen Literaturarchiv aufbewahrt werden - präsentieren
und somit der Öffentlichkeit zum ersten Mal zugänglich machen. Es handelt
sich um Teile der Korrespondenz von Hans Bethge, Alexander von Bernus,
Anny Bodmer und Joseph Englert an Hermann Hesse. Das Kapitel behandelt
in einem ersten Abschnitt die seit 1951 einsetzenden Sammelausgaben
und in einem zweiten 24 „geschlossene Korrespondenzen“, jeweils mit einschlägigen
Rezensionen und sonstigen Rezeptionszeugen.
Der thematisch gegliederte Teil für das Sekundärschrifttum gilt den Arbeiten
der Literaturwissenschaft zu Hesses Werk. Bei Monographien folgen auf die
bibliographischen Angaben und das Inhaltsverzeichnis Zitate aus Rezensionen
mit Quellenbeleg. Das Phänomen der globalen Rezeption konnte
man bereits in dem dreibändigen, von M. Pfeifer herausgegebenen Werk3
ermessen, und ein kleiner Ausstellungskatalog von 20094 hat erneut darauf
hingewiesen. Hesse ist heute buchstäblich überall präsent, nicht zuletzt im
Internet, weshalb auch Below einen eigenen Abschnitt über die digitale Rezeption
des Dichters bietet: Allein eine Suche unter „Hermann Hesse“ in
Google erbringt mehr als eine Millionen Treffer. Interessant ist des weiteren
die Dokumentation der Theateraufführungen der Werke Hesses sowie der
Ausstellungen seines malerischen OEuvres. Die bisher wohl längste Wanderausstellung
seiner Aquarelle Farbe ist Leben lief 12 Jahre in verschiedenen
deutschen Städten. Am 28. September 1998 wurde sie in Maulbronn
eröffnet, wo Hans-Georg Gadamer in seiner Rede Hermann Hesse - Maler
3 Hermann Hesses weltweite Wirkung : internationale Rezeptionsgeschichte /
hrsg. von Martin Pfeifer. - Frankfurt am Main : Suhrkamp. - 18 cm. - (Suhrkamp-
Taschenbücher ; …). - [Bd. 1]. - 1. Aufl. - 1977. - 354, [10] S. : Ill. - (… ; 318). -
ISBN 3-518-06886-5. - Bd. 2. - 1. Aufl. - 1979. - 284 S. - ( … ; 506). - ISBN 3-518-
37006-5. - Bd. 3. - Erstausg., 1. Aufl. - 1991. - 309 S. - (… ; 1927). - ISBN 3-518-
38427-9.
4 "Der Dichter aus Montagnola ist eine Weltmacht" : Hermann Hesse - ein globales
Phänomen vor der Globalisierung ; [zur Ausstellung "Hermann Hesse und
Europa", die im Auftrag der literarischen Gesellschaft Forum Allmende e.V. ... für
das Hermann-Hesse-Höri-Museum in Gaienhofen ... erarbeitet wurde] / Volker
Michels. - Gutach : Drey-Verlag, 2009. - 47 S. : Ill. ; 24 cm. - (Forum Allmende
Portrait ; 2). - ISBN 978-3-933765-44-4 : EUR 6.00.
und Schriftsteller das Phänomen der „Doppelbegabung“ Hesses würdigte.
5
Im Teil „Die Welt der Bücher“ geht es um Hesses Herausgeber- und Rezensionstätigkeit
sowie um seinen Umgang mit Verlegern und Verlagen. Im ersten
Abschnitt werden sämtliche Werke verzeichnet, die Hesse herausgab,
gefolgt von Exzerpten aus Anzeigen, Verlagsanschreiben und Rezensionen.
Auch hier kann Below neues Material präsentieren: es handelt sich um Teile
der im Deutschen Literaturarchiv aufbewahrten Korrespondenz zwischen
Hesse und den beiden Rezensenten Erwin Ackerknecht und Otto Basler.
Im letzten Teil Relevanzen der Rezeption finden wir Abschnitte über die Wirkung
aus der Sicht von Verlagsvertretern
, Aspekte in der gegenwärtigen
Literaturwissenschaft
sowie Selbsteinschätzungen von Hesse. Der Band
wird durch ein Personenregister (ohne die nicht aufgelösten Namenskürzel
von Rezensenten) sowie durch ein Werk- und Buchtitelregister (ohne die in
Sammelbänden enthaltenen Titel) erschlossen.
Das Hesse-Handbuch von Below ist das erste seiner Art nicht nur in deutscher
Sprache, und dürfte als Thesaurus von Quellen zur Hesse-Rezeption
kaum eine Nachfolge finden. Es stellt - was die Vollständigkeit und die differenzierte
Gliederung angeht - eine Fundgrube sowohl für die Forschung zur
Hesse-Rezeption als auch für „den reinen Hesse-Leser[] und den -Liebhaber[]
seiner Texte“ (S. 551) dar und gehört in jeden Informationsapparat
neben Belows Hermann-Hesse-Bibliographie.6
Gustav Landgren / Klaus Schreiber
QUELLE
Informationsmittel (IFB) : digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und
Wissenschaft
http://ifb.bsz-bw.de/
http://ifb.bsz-bw.de/bsz360178111rez-1.pdf
5 Die neueste Publikation über Hesse als Maler ist: "... die Grenzen überfliegen"
- der Maler Hermann Hesse
: [... erscheint in Zusammenarbeit mit dem Museum
Hermann Hesse Montagnola anlässlich der Ausstellung "... die Grenzen Überfliegen
- Der Maler Hermann Hesse, Kunstmuseum Bern: 28. März bis 12. August
2012 .... Museum Hermann Hesse Montagnola und Museo Cantonale d'Arte, Lugano:
31. August bis 21. Oktober 2012] / Hrsg. Kunstmuseum Bern ... [Texte: Regina
Bucher, ...]. - Bielefeld : Kerber, 2012. - 227 S. : zahlr. Ill. ; 23 cm. - (Kerber
Forum). - ISBN 978-3-86678-635-6 : EUR 33.90.
6 Und da Below auf S. 550 eine Vorschau auf das Jubiläumsjahr 2012 gibt, sei
gleich auf zwei zu diesem Anlaß angekündigte Neuerscheinungen hingewiesen:
Hesses Verleger und Freund Wilhelm Stämpfli / Thomas Feitknecht. - Bern :
Stämpfli, 2012 (August). - 64 S. : Ill. - ISBN 978-3-7272-1230-7 : ca. EUR 25.00. -
Hermann Hesse : seine Welt im Tessin ; Freunde, Zeitgenossen und Weggefährten
/ Carlo Zanda. - Zürich : Limmat-Verlag, 2012 (Juli). - 320 S. : Ill., Kt. - ISBN
978-3-85791-681-6 : ca. EUR 32.00.