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Rezensionen 1895-1904 (Tübingen, Basel)

Für die hier im Folgenden wiedergegebenen Nachweise von Originaltexten zeitgenössischer Buchbesprechungen sind fünf Zeitabschnitte gewählt, die als Führungsgröße und Leitlinie dienen sollen.

Um die literarischen Schöpfungs- und Wirkungsphasen im Leben Hermann Hesses - auch aus Gründen einer übersichtlichen Beurteilung zu strukturieren - bietet sich die chronologische Ordnung an, die sich an den Phasen seiner Wohnstätten orientiert. Daraus leiten sich längere Zeitabschnitte dauerhafter Aufenthalte ab, die auch prägende Einflüsse auf die künstlerische Entfaltung nahmen.

- die Ausbildungszeit in Tübingen und Basel 1895-1904
- das Familienleben als freier Schriftsteller in erster Ehe in Gaienhofen am Bodensee von 1904-1912
- fortgesetzt während der Zeit des Ersten Weltkriegs in Bern von 1912-1919
- Trennung von der Familie und Aufbruch in ein selbststäniges Leben im Tessin: Teil I in der Casa Camuzzi/Montagnola von 1919-1931
- Seßhaftigkeit in dritter Ehe: Teil II in der Casa Rossa/Montagnola ab 1931-1962

Romantische Lieder (1899)


1 Hans W. Fischer: Lyrik. Romantische Lieder. In: Die Gesellschaft Halbsmonatsschrift für Literatur, Kunst und Sozialpolitik. Dresden. Jg. 15, 1900, Bd. IV, H, 5, S. 353. (IdInv1784)

Nach 3-jähriger Ausbildung endet Hesses Lehrzeit am 30.9.1898. Er ist Gehilfe und setzt seine Tätigkeit mit Gehaltsbezug als Sortimentsbuchhändler bei Heckenhauer in Tübingen fort. Mit dem Impressum von 1899 erscheint im November 1898 sein erstes Buch, der Gedichtband mit dem Titel „Romantische Lieder“ mit vom Januar 1897 bis zum Frühjahr 1898 in Tübingen entstandenen Gedichten in einer Auflage von 600 Exemplaren im Kommissionsverlag E. Pierson in Dresden. Von der mit einer Herstellungsbeteiligung zustande gekommenen Auflage werden bis Ende Januar nur 54 verkauft.


Abbildung: Hans W. Fischer 1900 -

2 Hans Benzmann: Romantische Lieder. In: Magazin für Litteratur. Berlin. Jg. 69, 1900, Sp. 703-703 (IdInv.1783)703

Am 23.6.1898 zeigte Hesse gegenüber Helene Voigt-Diederichs noch seine Skepsis gegenüber der Absicht einer zusammenhängenden Veröffentlichung:
[…] Auf Drängen eines Freundes begann ich, eine kleine Auswahl von Liedern zum Druck vorzubereiten; aber vor dem Fertigwerden des Manuskripts verdroß mich wieder die Aussicht auf das Briefschreiben, das Verlegersuchen, das Rechnen usw., und ich legte die Blätter wieder dahin, wo sie zum Teil schon lange lagen. […]
(Quelle: Gesammelte Briefe 11895-1921, Bd. 1 Hrsg. Volker Michels, Frankfurt: Suhrkamp 1971, S. 37)

Abbildung: Hans Benzmann 1900 -

Eine Stunde hinter Mitternacht (1899)

3 Ernst Schur. Neu-Romantik. Eine Stunde hiter Mitternacht. In: Die Gesellschaft. Halbsmonatsschrift für Literatur, Kunst und Sozialpolitik. Dresden. Jg. 15, 1899, Bd. IV, H, 5, S. 353. (IdInv3314)

Hesses zweite Veröffentlichung ist sein erster Prosaband. Er enthält neun, im Winter 1898/99 in Tübingen, entstandene Studien. „Eine Stunde hinter Mitternacht“ erschien im Juli in einer Auflage von 600 Exemplaren bei Eugen Diederichs in Leipzig, von der Offizin W. Drugulin, abweichend von der üblichen Typographie der Fraktur, dekorativ in Morrisgotisch gesetzt. Wie schon bei den „Romantischen Liedern“ bleibt der Absatz aus. Im ersten Jahr finden sich nur 53 Käufer.




Abbildung: Ernst Schur 1899 -

4 Wilhelm von Scholz: Ein Neuromantiker. Eine Stunde hinter Mitternacht. In: Das litterarische Echo. Leipzig. Jg. 2, 15.11.1899; H. 4, S. 322-323 (IdInv. 2162)

Den Vorbereitungen zum Druck seiner 2. Veröffentlichung ging eine rege Korrespondenz zwischen Hesse und Helene Voigt-Diederichs voraus., Sie war seit Juni 1898 mit dem Verleger Eugen Diederichs verheiratet.

Hesse an Eugen Diederichs am 6.4.1899: […] Ich bin ganz einverstanden, wenn Sie 600 Exemplare drucken wollen, und bitte um Ihrer weiteren Vorschläge. Daß bei der besonderen, vielleicht allzu intim persönlichen Art meines Büchlein auf kein Geschäft zu rechnen ist, glaube ich freilich auch, und ich kann mir, ohne zu lachen, nicht einmal 600 Käufer ordentlich vorstellen. Mir geht, indem Sie eine Arbeit von mir in Ihrem Verlag nehmen, ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung, und ich werde Ihnen für das Entgegenkommen alle Zeit von Herzen zugetan und dankbar sein. Außerdem danke ich Ihnen dafür, dass Sie mir so ehrlich den Eindruck schildern, den Sie von mir haben, […]
(Quelle: Kindheit und Jugend vor Neunzehnhundert. Hermann Hesse in Briefen und Lebenszeugnissen 1895.1900. Bd. 2, Hrsg, von Ninon Hesse, fortgesetzt von gerhard Kirchhoff. Frankfurt: Suhrkamp 1978; S. 341-342)

Abbildung: Wilhelm von Scholz 1899 -

Hermann Lauscher 1901

5 Ludwig Finckh: Hesses Hermann Lauscher. In: Der Schwabenspiegel. Stuttgart. Jg. 1, Nr. 38 vom 30.6.1908, S. 303 (IdInv1741)

Nur einem kleinen Kreis ist der Verfasser der „Hinterlassenen Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher“, welche er auf eigene Rechnung im Verlag seines Arbeitgebers (mit dem Impressum von 1901), der Reich’schen Buchhandlung in Basel als Herausgeber einer literarischen Hinterlassenschaft eines Verstorbenen erscheinen lässt, bekannt. Folglich rezensiert sich Hesse zunächst selbst:

"Unter obigem Titel gab ich auf Wunsch einiger Freunde die hinterlassenen Papiere eines unlängst verstorbenen Dichters und Sonderlings heraus. Sie gewähren, wie ich meine, nicht uninteressante Einblicke in das innerer Leben eines modernen Idealisten. Auch dürften sie für Basel ein gewisses Lokalinteresse haben, da der verstorbene gerade in der Zeit, in welcher das „Tagebuch“ entstand hier lebte. So nah befreundet mir der sonderbare Verfasser auch war, so viel seine lebendige, rege Natur von seinem zukünftigen Dichtungen hoffen lassen mochte, - ich empfand sein plötzliches Abscheiden doch als ein Erlösung für seine zwischen Extremen peinlich schwankende Seele. Seinen feurigen, unsteten, dich im Grunde noblen und jedenfalls immer ehrlichen Wesen wusste ich kein besseres Denkmal als die Herausgabe seiner hinterlassenen Schriften, in denen man, wenn nicht Klarheit und Ruhe, so doch Persönlichkeit, Kampf und Wahrhaftigkeit finden kann."
(Quelle: Allgemeine Schweizer Zeitung. Basel von 2.12.1900 / siehe auch Sämtliche Werke. Bd. 16, S. 38-39, Hrsg. Volker Michels, Frankfurt: Suhrkamp 2001-2007)

In ein für Helene Voigt Diederichs bestimmte Exemplar schreibt er die Widmung: „Vom Verfasser und Herausgeber mit totlebendigem Gruß gemeinsam überreicht“.

Abbildung: Ludwig Finckh 1908/1909 -

6 Theodor Heuss: (Hinterlassene Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher, herausgegeben von Hermann Hesse). In: Das litterarische Echo. Leipzig, Jg. 11, 1908/9, Sp. 841-842 (Hsia)

Die Resonanz war im Vergleich gegenüber seinen Erstpublikationen stärker. Bis 1904 sind 14 Rezensionen nachweisbar. Die Autorenschaft der ersten, anonym erschienen Ausgae, deckten Otto Klimmer und Richard Schaukal 1902 auf.
Eine spätere, zweite Neuauflage und Subskriptionsausgabe für die Mitglieder des Verbandes für die Kunstfreunde am Rhein in Wilhelm Schäfers Verlag "Die Rheinlande", Düsseldorf von 1907, wird um zwei Texte von 1900 bzw. 1901, „Lulu“ und „Schlaflose Nächte“, erweitert.

Abbildung: Theodor Heuss 1908 -

Gedichte 1902

7 Hans Bethge: Gedichte. Von Hermann Hesse. Berlin. 1902. Grotesche Verlagsbuchhandlung. In: Das Literarische Echo. Leipzig. Jg. 5 vom 15. 5. 1903, Sp. 1149 (Hsia)

Hesses zweite Lyrik-Edition enhält eine Auswahl von Gedichten aus den Jahren 1899 bis 1902.
Hesse war dazu von dem Herausgeber der Reihe "Neue Deutsche Lyriker", dem Schriftsteller und Eklektiker Carl Busse, angeregt worden.
Etwa 1500 Gedichte sind hinterlassen, von denen etwa 800 in verschiedene Gedichtsammlungen, vom Verfasser autorisiert, aufgenommen wurden.
In der zwischen 2001 und 2007 herausgegebenen Ausgabe der "Sämtlichen Werke" enthält der Band 10, "Die Gedichte", die bisher umfassendste Gedichts ammlung. Von den über 800 vom Verfasser autorisierten Gedichten finden sich hier weitere 350 Gedichte aus dem Nachlass.

Abbildung: Hans Bethge 1902/1903 -

Peter Camenzind 1904

8 Richard Schaukal: Kritik. Ein neues Buch von Hermann Hesse. In: Wiener Abendpost. Nr. 66 vom 19.3.1904

Mit Jahresbeginn 1903 hatte Hesse mit der Niederschrift des Romans "Peter Camenzind" begonnen. Wie vorbestimmt, fügte es sich, dass der Verleger Samuel Fischer auf Anregung des Schriftstellers Paul Ilg mit dem Ansinnen zur gelegentlichen Vorlage neuerer Arbeiten an Hesse herantrat. Das wirkte wie ein Motivationsschub. Im Mai 1904 legte Hesse dem renommierten Verlag das Manuskript vor. Von Oktober bis Dezember wurde der Text in Fischers Zeitschrift "Neue deutsche Rundschau" vorabgedruckt. Zwei Monate später erschien die seinem Freund Ludwig Finckh gewidmete Buchausgabe.
Der Roman wurde Hesses erster großer Bucherfolg. Die Gesamtauflage der deutschsprachigen Einzelausgaben dürfte nahe der 2 Millionengrenze liegen und in 30 Sprachen übersetzt sein

Abbildung: Richard Schaukal 1904 -

9 Stefan Zweig: Ein Roman von Hermann Hesse. In: Die Freistatt. Kritische Wochenzeitschrift für Politik, Literatur und Kunst. München, Jg 6, H. 4 vom 2. 4. 1904, S. 270 (Hsia)

Einen Rückblick in diese Zeit vermitteln die „Biographischen Notizen“ von Hesse 1923 (Sämtliche Werke. Bd. 12, Frankfurt: Suhrkamp 2001-2007, S. 21):
[…] Ich kam 1899, von Tübingen nach Basel, als Buchhandlungsgehilfe, in Basel trat ich etwas später ganz zum Antiquariat, dem interessantesten Teil des Buchhandels, über. Von der Basler Zeit steht manches im „Lauscher“ und im „Camenzind“. 1902 erschienen meine Gedichte bei Grote. Durch Vermittlung eines mir persönlich nicht bekannten Literaten [Paul Ilg] wurde mein 1901 in Basel pseudonym erschienener „Lauscher“ dem Verlag S. Fischer bekannt, und es war die erste literarische Anerkennung und Ermunterung in meinem Leben, als ich völlig unerwartet einige Zeilen von diesem Verlag bekam, mit der Einladung, etwaige künftige Dichtungen ihm zur Prüfung vorzulegen. Ich hatte damals den „Camenzind“ begonnen, und Fischers Einladung spornte mich sehr an. Ich schrieb ihn fertig, er wurde sofort angenommen, der Verlag schrieb freundlich, ja herzlich, das Buch wurde in der „Neuen Rundschau“ vorabgedruckt, Emil Strauß und andere von mir verehrte Männer anerkannten es. Ich war arriviert.
In Folge des „Camenzind“-Erfolgs konnte ich im Sommer 1904 heiraten […]


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Die Aufzeichnungen werden fortgesetzt
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Abbildung: Stefan Zweig 1904 -